Vor mehr als 20 Jahren konnte ich das erste Mal in meinem Leben Polarlichter mit den eigenen Augen beobachten und das hier im Erzgebirge. Das war Ende Oktober 2003. Es schimmerte rot durch eine dünne Wolkendecke und manchmal blinkte ein Stern aus dem „Matsch“. Meine Fotos waren dementsprechend. Zudem noch analog, d.h. das Ergebnis war nicht direkt kontrollierbar. Nach der Entwicklung von Film und Bildern im kommerziellen Labor war das dann entsprechend doch etwas enttäuschend. Meine Vereinskollegen in Drebach nutzten schon die ersten digitalen DSLR (Canon EOS 300D) und brillierten mit tollen Bilder.
Am Freitag, den 09.05.2024 kam ich von meinem Arbeitsort in Erfurt zurück nach Oberwiesenthal. Diverse Apps kündigten für den Abend und Nacht von Deutschland aus beobachtbare Polarlichter an. Also hieß es am Abend Ausrüstung schnappen und auf den Fichtelberg fahren und die gute Sicht nach Norden nutzen. Ein Wermutstropfen vornweg: meine Arca-Swiss-Schiene war verschollen und somit konnte ich mein Stativ nicht nutzen. Also improvisieren (ich fand sie übrigens später an meinem Fernglashalter wieder. Wer Ordnung hält…). Auf dem Parkplatz auf dem Fichtelberg war schon einiges los. Aber ich konnte noch einen guten Platz finden und meine Kamera auf einem Holzstamm auflegen. Visuell war ein grauer Schimmer im Norden auszumachen, der wie eine sommerliche späte Dämmerung aussah. Ein erstes Bild überzeugte mich davon, dass es in der Tat das Polarlicht war. Grünlich und rötlich schimmerte es vom Kameramonitor. Den rötlichen Bereich habe ich visuell zunächst gar nicht gesehen. Wie im Bild ersichtlich, störte noch der zunehmende Mond im Nordwesten.

Mittlerweile füllte sich der Parkplatz. Immer mehr Menschen kamen. Das Polarlicht wurde mal intensiver mal etwas schwächer und zeitweise war der rötliche Schimmer auch mit bloßem Auge zu sehen. Die Aktivität verlagerte sich nach Nordwesten. Weitere Aufnahmen folgten:

Dann lies das Spektakel stark nach und viele Besucher verließen daraufhin den Gipfel des höchsten Berges Sachsens. Gegen 23.30 Uhr nahm die Aktivität wieder stark zu. Zunächst zeigte sich das in grauen Streamern (Streifen, die fast senkrecht vom Himmel „fielen“. Dann waren sie so hell, dass man sie rötlich glimmen sah. Zunächst nur in Nordrichtung, dann überall. Auch im Süden waren grünliche Flecken durch die Cirrusbewölkung zu sehen. Ich wechselte mehrfach den Standort um neue Perspektiven und Motive zu finden.


Ein tolles Ereignis, was hier im Blog nur kurz wiedergegeben ist. Noch etwas zum Auslöser dieses Naturschauspiels:
Ursache dieses Naturereignisses war die Sonne. Polarlichter entstehen in Folge eines koronalen Masseauswurfs (CME) der auch in Richtung der Erde stattfinden muss. Dieser wurde vor dem Ereignis beobachtet und das Eintreffen
des Teilchenstroms war für diese Nacht vorher gesagt. Schuld an dem CME war die Aktivität eines sehr großen Fleckenclusters von 16-facher Größe der Erde. Quelle waren die Fleckengruppen 3664 und 3668 in der südlichen Hemisphäre. Man rechnete aufgrund der Intensität des CME mit einem starken geomagnetischen Sturm. Untenstehend ein Bild der Sonne vom 12.05.2024. Der Fleckencluster ist schon weit an den Westrand gerückt.

Bildrechte: Guido Wollenhaupt